Papst hetzt erneut gegen Lesben und Schwule



(Angepasste, unvollständige Kopie einer Webseite der HuK Hannover
mit einen Auszug aus dem Originaltext und meinem Kommentar)

Papst Benedikt XVI. hat die Ausbreitung von Homosexualität mit der Abholzung des Regenwaldes verglichen. Um der Homo-Gefahr entgegenzutreten, sei eine "Ökologie des Menschen" erforderlich. Der 81-Jährige sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in seinem traditionellen Jahresrückblick vor der Kurie, dem Verwaltungsapparat des Vatikans, dass es genau so wichtig sei, die Menschheit vor homo- und transsexuellen Verhalten zu schützen wie den Regenwald vor der Vernichtung zu bewahren. Jedes Verhalten, das über die traditionelle heterosexuelle Beziehung hinausginge, "vernichtet Gottes Werk", so der Papst. (Soweit eine Synthese aus diversen Agenturmeldungen)

...

Hier der betreffende Auszug aus dem Originaltext:

Weil der Glaube an den Schöpfer ein wesentlicher Teil des christlichen Credo ist, kann und darf sich die Kirche nicht damit begnügen, ihren Gläubigen die Botschaft des Heils auszurichten. Sie trägt Verantwortung für die Schöpfung und muss diese Verantwortung auch öffentlich zur Geltung bringen. Und sie muss dabei nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Schöpfungsgaben verteidigen, die allen gehören. Sie muss auch den Menschen gegen die Zerstörung seiner selbst schützen. Es muss so etwas wie eine Ökologie des Menschen im recht verstandenen Sinn geben. Es ist nicht überholte Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau redet und das Achten dieser Schöpfungsordnung einfordert. Da geht es in der Tat um den Glauben an den Schöpfer und das Hören auf die Sprache der Schöpfung, die zu missachten Selbstzerstörung des Menschen und so Zerstörung von Gottes eigenem Werk sein würde. Was in dem Begriff "Gender" vielfach gesagt und gemeint wird, läuft letztlich auf die Selbstemanzipation des Menschen von der Schöpfung und vom Schöpfer hinaus. Der Mensch will sich nur selber machen und sein Eigenes immer nur selbst bestimmen. Aber so lebt er gegen die Wahrheit, lebt gegen den Schöpfergeist. Die Regenwälder verdienen unseren Schutz, ja, aber nicht weniger der Mensch als Geschöpf, dem eine Botschaft eingeschrieben ist, die nicht Gegensatz zu unserer Freiheit, sondern ihre Bedingung bedeutet. Große Theologen der Scholastik haben die Ehe, die lebenslange Verbindung von Mann und Frau als Schöpfungssakrament bezeichnet, das der Schöpfer selbst eingesetzt und das Christus dann "ohne die Schöpfungsbotschaft zu verändern" in die Heilsgeschichte als Sakrament des Neuen Bundes aufgenommen hat. Zur Verkündigungsaufgabe der Kirche gehört das Zeugnis für den Schöpfergeist in der Natur als Ganzer und gerade auch in der Natur des gottebenbildlichen Menschen. Von da aus sollte man die Enzyklika "Humanae vitae" neu lesen: Papst Paul VI. ging es darin darum, die Liebe gegen Sexualität als Konsum, die Zukunft gegen den Alleinanspruch der Gegenwart und die Natur des Menschen gegen ihre Manipulation zu verteidigen.



Dazu (m)ein Kommentar:
Der Papst ist Professor der Theologie und gilt allgemein als hochgebildet. Ist er das etwa nur in den Augen von Leuten, die zum Teil sogar stolz darauf sind, selbst nicht einmal über ein Minimum naturwissenschaftlicher Grundbildung zu verfügen? Kann man solch einen Menschen als "hochgebildet" bezeichnen?

"Der Mensch will sich nur selber machen" mutmaßt der Papst, für den die "Natur des Menschen als Mann und Frau" gleichbedeutend ist mit der "Schöpfungsordnung". Und diesen von offenbar weltfremden Theologen zusammenfantasierten Mumpitz erhebt er dann postwendend zur "Wahrheit"!

Wahrheit ist aber viel mehr, dass zum Beispiel eine zwar geringe, aber nicht zu ignorierende Minderheit der Menschen weder Mann noch Frau, sondern von Geburt an ein Mensch `zwischen den Geschlechtern´ ist. Wahrheit ist, dass genau dies ihre "Natur" ist, und Wahrheit ist auch, dass diese Menschen zumeist an dieser ihrer "Natur" leiden. Wahrheit ist aber ebenso, dass sie bedeutend weniger zu leiden hätten, wären sie nicht ständig mit der gesellschaftlich vorherrschenden - in Wahrheit menschenverachtenden - Ideologie der Heteronormativität konfrontiert, wonach die "Natur des Menschen als Mann und Frau" gleichbedeutend mit der "Schöpfungsordnung" ist. Sind nicht aber auch diese Menschen "gottebenbildlich" und in ihrer Würde zu respektieren?

Wahrheit ist auch, dass eine weitere Minderheit der Menschen äußerlich zwar eindeutig ein Mann oder eine Frau ist, sich aber im tiefsten Inneren genau dem "Gegen-Geschlecht" zugehörig fühlt. Wahrheit ist, dass diese Menschen einem erheblichen Leidensdruck unterliegen. Das sind keine Menschen, die sich nur mal eben so, vielleicht weil ihnen nichts besseres einfällt, "sich nur selber machen" wollen. Hat der Papst sich jemals bemüht, einem solchen Menschen ernsthaft zuzuhören? Wahrscheinlich nicht. Sind nicht aber auch diese Menschen "gottebenbildlich" und in ihrer Würde zu respektieren?

Wahrheit ist auch, dass eine noch sehr viel größere Minderheit der Menschen sich ihrer jeweils eigenen "Natur" nach auch oder gar ausschließlich in Menschen des eigenen Geschlechts verlieben (können). Dass sie auch oder nur mit Menschen des eigenen Geschlechts glücklich werden können. Diese so genannte sexuelle Orientierung haben sie sich genau so wenig ausgesucht wie die heterosexuelle Mehrheit die ihre; beide sind aber von Natur aus nicht unglücklich damit. (Wobei sie - wenn wir jetzt einmal von schwulen Männern ausgehen - Menschen des anderen Geschlechts vielleicht mehr als vollwertige Menschen respektieren als es jene Kleriker tun - und zwar nicht nur die der römisch-katholischen Kirche, die Frauen beispielsweise von vornherein jegliche Berufung und Befähigung zum Priesteramt absprechen.) Wie roh und herzlos muss jemand sein, der von den Angehörigen dieser großen Minderheit allen Ernstes verlangt, zeitlebens auf Liebe und Partner-Glück zu verzichten? Sind denn nicht auch diese Menschen "gottebenbildlich" und in ihrer Würde zu respektieren?

Der Papst soll ein gebildeter Mann sein; kann er dann wirklich so weltfremd, abgehoben und dumm sein, dass er um diese Minderheiten rein gar nichts weiß? Minderheiten, die vielleicht in einer mittelalterlichen theologischen Phantasie namens "Schöpfungsordnung" keinen Platz haben, sehr wohl aber in der "Natur", also in der wirklichen Schöpfung. (Zu dumm aber auch, dass der Schöpfer die Theologen - und insbesondere Herrn Professor Ratzinger - bei der Schöpfung so gar nicht um ihre Meinung gefragt hat. Ob sie ihm das jemals werden verzeihen können???)

Wahrheit ist somit wohl, dass der Papst ein "hochgebildeter" Mann sein mag (zumindest dann, wenn man naturwissenschaftliche Grundbildung nicht als Bestandteil von "Bildung" erachtet). Aber neben der formalen Bildung gibt es auch noch so etwas wie "Herzensbildung" - und die geht ihm offensichtlich gänzlich ab! Nur so kann man verstehen, wie er eine phantasierte "Schöpfungsordnung" von der angeblichen "Natur des Menschen als Mann und Frau" [und deren ausschließlicher "Aufeinander-Bezogenheit", wie heteronormativitäts-versessene Theologen gerne weiterfaseln], die viele real existierende Menschen einfach ausblendet und die daher nichts anderes ist als die Ideologie der Heteronormativität, wie er diese zum Götzen erheben und gegen lebendige Menschen hetzen kann, die doch gerade ein Papst als "gottebenbildlich" respektieren müsste.

Bernd König

Nachbemerkung.
Einem Mangel an Einfühlungsvermögen und Herzensbildung mag auch seinerzeit jenes unsensible anti-muslimische Zitat eines byzantinischen Kaisers zuzuschreiben sein, während der jüngste Missgriff in Sachen Piusbrüderschaft vorrangig einem Informationsdefizit hinsichtlich jenes einen unsäglichen Bischofs geschuldet sein dürfte. Doch irgendwie passt auch das Anliegen ins Bild, eine endgültige Abspaltung am äußersten rechten Rand der römischen Kirche verhindern zu wollen, die ohnehin wohl längst unumkehrbar vollzogen ist, ohne sich dabei viele Gedanken um die Gefühle der breiten Mehrheit zu machen und Rücksicht darauf zu nehmen - und auf das Bild, das die Kirche dabei abgibt.



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© Bernd König & HuK Hannover e.V. 11.02.2009 - letzte Änderung am 12.02.2009