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Der Originaltext der Pressemitteilung:
Mit Bestürzung nimmt die Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche das
dauerhafte Agieren konservativer Exoten aus der römisch-katholischen
Kirche wahr, mit dem Homosexuelle als Defekt, als drittklassige Katholiken
und als Gefahr für die Gesellschaft dargestellt werden sollen. Man könnte geradezu meinen, nur ängstliche Lesben und Schwule seien gute Lesben und Schwule. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Aussagen von einem Bischof stammen, der gerade versucht, mit jungen Menschen über deren Lebens- und Glaubensthemen zu sprechen oder von einem Amtsträger, der in einer Talksendung meint, die letzten katholischen Bastionen behaupten zu müssen.
Die HuK hingegen steht seit über 30 Jahren für die Befreiung aus Angst und Isolation, für das gemeinsame Erleben der Liebe Gottes, die Lesben und Schwule als Glieder der Kirche miteinander und mit vielen anderen
Christen verbindet. Gerade deshalb, so die HuK, ist auch eine Haltung
abzulehnen, die homosexuelle Veranlagung (scheinbar) toleriert, gelebte
Homosexualität aber diskriminiert. Aus HuK-Sicht ist festzustellen:
1. Kirche und Gesellschaft gewinnen durch die Begabungen, die Lesben und
Schwule einbringen. Ein Untergang ist nicht zu erwarten.
2. In einem freiheitlichen Staat hat Jeder das Recht, seine Meinung zu
vertreten. Es ist allerdings peinlich, wenn andere Auffassungen plötzlich
zu einem "Komplott" gegen die römisch-katholische Kirche erklärt werden.
3. Die HuK erwartet, dass die katholische Kirche die Frohbotschaft nicht
länger zu einer Drohbotschaft verkehrt, sondern das Recht aller Menschen,
ihre Sexualität (egal ob homo-, hetero- oder bisexuell) verantwortlich zu
leben, anerkennt.
4. Daraus ergibt sich, dass Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle als
Mitglieder und als Mitarbeitende in der Kirche auf allen Ebenen willkommen
sind. Jegliches sachfremde Misstrauen und Kontrollbedürfnis gegenüber
lesbischen, schwulen und bisexuellen Kirchenmitgliedern entfällt.
5. Die katholische Kirche muss öffentlich und weltweit eingestehen,
dass sie sich über Jahrhunderte mitschuldig gemacht hat an der Ausgrenzung
homo- und bisexueller Menschen. Sie hat fortan alle Minderheiten innerhalb
der Kirche zu akzeptieren und sich aktiv dafür einzusetzen, dass diese
Akzeptanz auch in der gesamten Welt Verwurzelung und Umsetzung findet.
Die genannten fünf Punkte entstanden im Dialog mit vielen Einzelpersonen
und Gruppen, die sich einer offenen Kirche von unten verbunden wissen.
Das langjährige Unterwegs-Sein als Volk Gottes, zusammen mit weiteren
schwullesbischen Gruppen, Gottesdienstgemeinschaften und den Gruppen
Schwuler Seelsorger gibt uns Ideen, Kraft und großen Mut!
Dazu (m)ein Kommentar: (insbesondere zu Punkt 5)
Seit Jahrhunderten anscheinend nichts dazugelernt? Dieser Verdacht mag sich im Hinblick auf die römisch-katholische Kirche ja bisweilen aufdrängen, doch völlig zu Unrecht: Auch für den Papst und sein Gefolge ist die Erde heute keine Scheibe mehr, steht nicht mehr im Zentrum des Universums und ist auch deutlich älter als jene gut 4.000 Jahre, an die die Kreationisten so vehement glauben wollen! Respekt!
Und noch ein Beispiel: Wie sehr hatte doch der später heiliggesprochene Kardinal und Bischof Petrus Damiani (1007-1072) gegen die seiner Meinung nach ekelhafte byzantinische Unsitte gehetzt und gepredigt, mit Messer und Gabel statt mit den Fingern zu essen: "Gott in seiner Weisheit hat den Menschen mit natürlichen Gabeln ausgestattet - seinen Fingern. Daher lästert man Gott, wenn man beim Essen die Finger durch künstliche metallene Gabeln ersetzt!" [*] Das saß! Und war theologisch mindestens so gut begründet wie die "Schöpfungsordnung" mit der strikten Zweigeschlechtlichkeit (an die sich dummerweise die Schöpfung ab und an so gar nicht halten will) und der "Aufeinander-Bezogenheit" von Mann und Frau (um die sich die Schöpfung noch weniger schert! - Wie wäre es, wenn Papst & Co. statt Lesben und Schwule zur Enthaltsamkeit die Schöpfung ein wenig zur Ordnung rufen würden?!). - Damiani schaffte es mit seinen Philippiken immerhin, die Gabel für die nächsten Jahrhunderte vom Einflussbereich der römisch-katholischen Kirche fernzuhalten. Nur 500 Jahre später half dann aber auch dessen Heiligkeit nicht mehr - und heute speist mutmaßlich selbst der Papst mit Messer und Gabel! So viel zum "Sittenverfall" in der römisch-katholischen Kirche! (Die ist eben - wie schon gesagt - auch nicht mehr das, was sie mal war.)
Nun könnte man ja, wenn´s denn der Gottgefälligkeit dient, zur Not mit den Fingern essen. (Gestern mittag beim halben Hähnchen habe ich das sogar freiwillig gemacht - Damiani, wenn er denn vom Himmel herabblickt, dürfte seine wahre Freude gehabt haben.) Aber ein Leben lang auf Liebe, Zärtlichkeit, Sexualität und Partnerschaft verzichten oder gar noch als Homosexuelle(r) "widernatürliche Unzucht" mit dem Gegengeschlecht treiben zu sollen, das stünde doch auf einem ganz anderen Blatt!
Und mal ehrlich: Wer von uns hat schon die Zeit, 500 Jahre oder länger damit zu warten, bis die Gabel denn auch wirklich im Vatikan angekommen ist?
So mögen aus heutiger Sicht obige 5 Punkte in Bezug auf den höheren Klerus zwar utopisch erscheinen; doch an der Basis gibt es das ja schon - selbstbewusste katholische Lesben und Schwule. Eric Leis zum Beispiel war so einer [**] (glücklicherweise bei weitem nicht der Einzige!) und wird uns in diesem Zusammenhang ganz besonders in Erinnerung bleiben. Schön, dass die Bundes-HuK nun einmal das Programm der römisch-katholischen Kirche für die nächsten Jahrhunderte formuliert hat!
Bernd König
[*] Zitiert nach Ilija Trojanow / Ranjit Hoskoté (2007): Kampfabsage - Kulturen bekämpfen sich nicht - sie fließen zusammen. Frankfurt a.M. - Wien - Zürich: Karl Blessing Verlag & Büchergilde Gutenberg. S. 32
[**] ehemaliges Vorstandsmitglied der Bundes-HuK, 2008 verstorben.
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