Kurzinformation zum Georgsplatz |
Von Bernd König(Aus Anlass des lesbisch-schwulen Straßenfestes
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Im Gegensatz zu Hannovers Hauptkirche, der "Marktkirche St. Georgii et Jacobi", und zur Georgspassage bezieht sich der Name "Georgsplatz" nicht auf den Schutzpatron unserer Stadt, den Heiligen Georg (den Drachentöter), sondern geht - wie auch die Straßennamen "Georgstraße" und "Georgswall" auf die Zeit der britisch-hannoverschen Personalunion zurück. Der Namenspatron des Platzes ist nämlich König Georg III. von England, Irland, Schottland und Hannover – Hannovers erster König (*), aber zugleich auch der erste Hannoveraner auf dem britischen Thron, der sich selbst uneingeschränkt als Engländer sah und die englische Sprache perfekt beherrschte – und Hannovers einziger König, der persönlich nie in unserer Stadt war. Seiner Sturheit und Unnachgiebigkeit und seinem mangelnden politischen Weitblick ist es wohl zuzuschreiben, dass 13 kleine britische Kolonien im Osten Nordamerikas eines Tages von der britisch-hannoverschen Oberhoheit - salopp gesagt - endgültig die Schnauze voll hatten und zunächst die "Boston Tea Party" und dann einen veritablen Unabhängigkeitskrieg anzettelten. Als dessen Folge machten sie sich unter dem Namen "Vereinigte Staaten von Amerika" selbstständig. Daraus wurde seither bekanntlich die einzige Supermacht der Welt, heutzutage regiert von einem schwulen- und lesbenfeindlichen "wiedergeborenen Christen". [2005! - heute zum Glück nicht mehr!] Unser König Georg III. hingegen war selber schwul (**), aber alles andere als ein Heiliger. Seinen Geliebten, den Kammerherrn Lord Bute, hievte er für eine Reihe von Jahren in die Ämter des Schatzkanzlers und des Premierministers (***) - als solcher war dieser somit ein Amtsvorgänger von Tony Blair, welcher ja Seite an Seite mit dem bereits erwähnten US-Präsidenten seinerzeit in den Irakkrieg gezogen ist, sehr zum Ärger eines großen Teils der eigenen Bevölkerung wie auch der unseren und z.B. auch der Franzosen. Kommen wir aber noch einmal auf den Namensgeber unseres Festplatzes zurück: Auch wenn dieser nicht gerade unter die Ruhmesblätter schwuler Geschichte einzureihen ist - schon allein im Hinblick darauf, dass auch unter seiner Herrschaft wie unter anderen schwulen Königen Englands der gewöhnliche homosexuelle Untertan nicht vor staatlicher Verfolgung sicher war - so hat es doch einen gewissen Reiz, dass unser Fest nun auf einem Platz stattfindet, der nach einer historischen homosexuellen Persönlichkeit benannt ist. _________________________ (*) In Hannover war er zuerst nur Kurfürst, während er in der Zeit der wiederholten kurzen preußischen und der nachfolgenden gut 11jährigen französischen Besetzung Hannovers nur nominell Landesherr war, aber eben nicht faktisch. Als Ergebnis des Wiener Kongresses stieg Hannover vom Kurfürstentum des (1806 erloschenen) "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" zum – abgesehen von der britischen Personalunion - souveränen Königreich auf – erweitert u.a. um die Grafschaft Bentheim, das Emsland, Ostfriesland, Osnabrück, Hildesheim und Goslar. Georg III. war dann Hannovers erster König. (**) Was jedoch kein Hinderungsgrund war, zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen. (***) Ich folge hier Rainer Hoffschildt (1992): Olivia - Die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover, ISBN 3-9802909-0-5. |
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