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Leserbrief in hinnerk Juni 2010 Zu "Wir sind dabei, zu lernen", hinnerk 04/10 |
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hinnerk [Schwulenmagazin aus Hamburg], Juni 2010, S. 5
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Als Hannoveraner erhalte und lese ich den hinnerk leider nicht mehr regelmäßig; zufällig stieß ich dann aber im Maiheft - kurz nach meiner Ansprache am Mahnmal für das Gerichtsgefängnis - auf den folgenden Leserbrief von Jakob Michelsen:
"Dass Herr Jaschke in puncto Homosexualität im Großen und Ganzen mit minimalen Abweichungen die altbekannte Position der katholischen Kirche vertritt, kann niemanden überraschen und wäre daher keinen Leserbrief wert. Aber folgende von ihm geäußerte Geschichtsklitterung kann ich als Historiker nicht unwidersprochen lassen: "Der Protestantismus ist oft düsterer. Schauen Sie sich Italien an: Dort hat es nie Gesetze gegen Homos gegeben. Wo sind die entstanden? In protestantischen Ländern wie England oder Preußen." In Wahrheit ist die Bestrafung von "Sodomie", wozu damals auch gleichgeschlechtlicher Sex gezählt wurde, durch die weltlichen Obrigkeiten in Europa im späten Mittelalter entstanden, als es noch gar keine protestantischen Kirchen gab. Gerade einzelne italienische Stadtrepubliken spielten hier eine Vorreiterrolle.
Ideologische Grundlage war die kirchliche Sündenlehre. In der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert (also während und nach Reformation und Gegenreformation) wurden entsprechende Gesetze in allen christlich geprägten Ländern, egal ob katholisch oder protestantisch, wiederholt festgeschrieben und vielfach angewandt, mit nicht selten tödlichem Ausgang für die Beschuldigten. Dass ab Ende des 18. Jahrhunderts in vielen Ländern die Strafen für "Sodomie" gemildert oder abgeschafft wurden, hatte nichts mit der jeweiligen Konfession zu tun, sondern mit dem Einfluss von Aufklärung und Säkularisierung, also mit der Loslösung der Justiz von der Bindung an die christliche Moral. Auch die ersten deutschen Staaten, die die Todesstrafe für "Sodomie" durch Gefängnisstrafen ersetzten (Österreich 1787, Preußen 1794) oder ersatzlos abschafften (Bayern 1813), taten dies im Rahmen aufklärerisch-rationaler Justizreformen, die darauf abzielten, den Einfluss der christlichen Moral auf die Gesetzgebung zurückzudrängen. Was Herr Jaschke zu diesem Punkt äußert, ist also eine haltlose Verdrehung der historischen Fakten.
JAKOB MICHELSEN, HAMBURG"
Ich reagierte darauf mit folgendem eigenen Leserbrief, der dann im Juniheft erschien und meine o.g. Ansprache vom 8. Mai in gewisser Hinsicht ergänzt (Kopie aus dem hinnerk, vorangehender (fremder) Leserbrief und Impressum sind eingefärbt):
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