Kröhlmann
oder
Kändler inszeniert Kändler



Von Bernd König

(Aus: Mimikry 13 (3) 12 (1998))

  Friedhelm Kändler als Wowoet

Von der Fangemeinde schon sehnlichst erwartet, erblickte etwa zeitgleich mit der vorigen Ausgabe unserer Mimikry KRÖHLMANN das Licht der literarischen Welt - ein Gedicht in 21 Kapiteln von Friedhelm Kändler. Der Begründer des Wowoismus (Wowo lautet die Frage, auf die Dada die Antwort war), mit seinem tiefgründigem Wortwitz und -spiel, der aber gelegentlich auch vor platten Kalauern nicht zurückschreckt, dürfte für die meisten von Euch wohl kein Geheimtip mehr sein (falls doch, dann ist Euch wirklich eine Menge entgangen, liebe Freundinnen und Freunde - aber vielleicht treffen wir uns dann ja beim nächsten Kändler-Abend, gell?). Das eine oder andere Kapitel aus seinem neuesten Werk hatte der Meister schon bei früheren Gelegenheiten dem begeisterten Publikum vorgestellt. So durften wir schon Anfang November vorigen Jahres bei dem furiosen Programm "Erotik, Weihnachten und Fisch" im Sprengel-Museum zwischen Zaubertricks und Feuerzauber zu Kändler-Texten auch Ralf kennenlernen, den homophoben Badeschwamm aus dem 5. Kapitel. War es damals ein "gemischtes" Publikum, das den großen Vortragssaal des Museums bis auf den letzten Platz füllte, so blieb es diesmal im Künstlerhaus intimer und ganz "in der Familie", als Kändler seinen KRÖHLMANN vorstellte. Beim Eintreffen der ersten Besucher noch ganz unauffällig in Alltagskleidung am Rande sitzend, verwandelte sich der Meister mit dem weißen Fummel des Wowoeten in einen Magier der Vortragskunst: Kändler inszenierte Kändler.

Er läßt uns teilhaben am späten ComingOut des Kröhlmann, einer Tunte mit Bauch und Bart: Wie er zum Beispiel bösen Nachbarn trotzt (die Madert, der Hämel) - getreu dem Motto "Muß der Mensch sich arg entscheiden / And‘re oder sich zu leiden / Ist ihm herzlich zu empfehlen / Doch der andern Leid zu wählen". Wir erleben Kröhlmanns erste Erfahrungen mit Fummel, Park und Klappe und begleiten ihn auf Partnersuche: "Kröhlmann wär so gern zu zweit / Doch da die Normallichkeit / Ihm vom Schöpfer nicht gegeben / Ist bei Manchen manchmal eben / So das Sehnen tendenziell / Andersrummig sexuell ...". Er umschwärmt den unerreichbar erscheinenden GoGo-Boy Holger, beginnt eine Beziehung mit dem bisexuellen Soeren und erlebt nach dramatischen Verwicklungen und langem Warten auf seinen Liebsten dann doch noch ein Happy-End, denn "... die Dichtkunst hat die Macht / Daß ich es zum Guten wend ... / Also kommt‘s zum Happy end / Zu des Dichters Gnadenschluß / Was nicht unbedingt auch muß!".

Für alle, die nicht dabei sein konnten, wie auch für diejenigen, die Kändler‘s Sprach-Witz noch einmal nachlesen möchten (und von manch einer seiner komisch-absurden Formulierungen einfach gar nicht genug kriegen können), gibt es das kleine Meisterwerk für nur 19,- DM aus dem Revonnah-Verlag Hannover zu erstehen, um amüsante Zeichnungen von Hela Woernle bereichert. Diese vervollständigen kongenial den Charakter einer Hommage an Wilhelm Busch, der wohl auch seinen Spaß an den Einfällen seines "Kollegen" Kändler gehabt hätte (es sei denn, er wäre daran verzweifelt, mehr als ein Jahrhundert zu früh geboren zu sein).

Friedhelm Kändler (1998): Kröhlmann.
Ein Gedicht in 21 Kapiteln
mit Zeichnungen von Hela Woernle.
Revonnah-Verlag Hannover
ISBN 3-927715-47-6





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