Querschläge und andere Beleidigungen |
Von Bernd König(Aus: Mimikry 13 (4) 14 - 15 (1998)) Armer Querverlag! Da haben sie doch basierend auf dem Hörensagen und nach der Überlegung, wer in die schwule Domäne der Tagesschausprecher eindringt (Veigel, Wieben), muß selbst wohl auch zur Familie gehören, jemanden angeblich fälschlich geoutet - und der will nun jede Menge "Kohle" sehen. Merkwürdigerweise soll es ja beleidigend sein, jemanden unzutreffenderweise als schwul zu bezeichnen - und nicht nur schlicht und ergreifend falsch. Folglich dürfen auch wir wohl nunmehr künftig vor Gericht ziehen, sollte uns jemand eine heterosexuelle Veranlagung unterstellen. Also ich selbst bin da bislang noch ganz tolerant und stelle höchstens mal das Mißverständnis freundlich, aber bestimmt richtig - wenn mir das nicht gerade zu unwichtig ist. Schließlich bin ich als ehemals langgediente Klemmschwester solche Art von Beleidigungen noch gewöhnt - und durfte mich damals ja auch nicht darüber beklagen. So ist auch der gedanklich etwas abwesende junge Mann neulich in der U-Bahn ungeschoren davongekommen, der ohne mein Zeichen beinahe mit einer nur bis zum Hauptbahnhof verkehrenden Bahn ins Depot gefahren wäre. Er bedankte sich und meinte, er sei gerade ein bißchen in Gedanken gewesen - er hätte Probleme mit den Frauen und müsse wohl einfach öfter mal welche anbaggern. Als ich ihm dann den ganz freundlich gemeinten Tip gab, es doch einmal mit Männern zu versuchen, starrte er mich an und sagte: "Sie sind aber doch nicht homosexuell?!" "Doch - ich jedenfalls binīs schon." entgegnete ich und nahm ihm die dumme kleine Unterstellung gar nicht übel. Ganz anders liegt der Fall mit einem kleinen Versandhaus für Damenoberbekleidung aus Süddeutschland, das mir seit dem Frühjahr gelegentlich mit Prospekten auf die Nerven fällt. Der erste war an mich adressiert und enthielt die Bitte, ihn doch "meiner Frau" weiterzureichen - die dann an anderer Stelle noch mal "Gnädige Frau" tituliert wurde. Da mir nicht ganz klar war, ob ich hier in meiner schwulen Mannesehre als Hete beleidigt werden sollte - obendrein mit der Unterstellung, ich sei verheiratet - oder ob die Beleidigung darin bestand, ich würde womöglich mein Schwulsein durch eine Schein-Ehe verschleiern, schmiß ich das Ding einfach nur ins Altpapier. Beim nächsten Mal wurden die Leutchen schon dreister und schickten ihren Prospekt unter meiner Anschrift an eine fiktive "Frau Dr. König". Da er zum Tuntenball der HuK entschieden zu spät kam, konnte er wohl zu diesem Anlaß nicht gedacht gewesen sein. Hatte meine imaginäre Gattin nun auch noch promoviert oder war der Verantwortliche ein in seligen k.u.k.-Zeiten schwelgender Österreicher, bei dem die Frau eines Hofrats gleich mit zur "Frau Hofrat" avanciert? Ich hatte Wichtigeres zu tun und entsorgte den Kram wie gehabt. Danach griffen die Versandleute zu einem neuen Gag, so daß der nächste Prospekt an "Frau Dr. Bernd König" adressiert war. Vielleicht ist bei denen ja die Plausiprüfung defekt. Oder wurde dem Österreicher ein Ami vor die Nase gesetzt? Ich habe es jedenfalls nie kapiert, weswegen die angeblich so emanzipierten heterosexuell veranlagten Amerikanerinnen mit der Ehe so begeistert zur Nullnummer mutieren - etwa wenn aus Annie Smith zum Beispiel "Mrs. John Miller" wird - oder (wer weiß) aus Miss Monica Lewinsky eine Mrs. Kenneth Starr. Aber was mache ich nun mit den Versandfritzen? Vielleicht sollte ich sie bitten, die gemeinte Beleidigung genauer zu spezifizieren, damit ich sie besser verklagen kann, und dabei folgendes klarstellen: |
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Ich will jetzt lieber nicht schreiben, daß gerade die letzte der drei Feststellungen für manche Heten intellektuell vielleicht doch etwas zu anspruchsvoll sein dürfte, insbesondere wenn sie in Süddeutschland sitzen und ein Versandhaus für Damenoberbekleidung betreiben. Schließlich will ich ja nicht selber zahlen müssen, sondern abkassieren. Das mache ich dafür dann aber auch billiger und schlage potentiellen Beleidigern - und auch Euch, liebe Leser und Leserinnen - ein vereinfachtes Verfahren vor: laßt uns Zahlungsvordrucke mit unserer Kontonummer ausstellen, wahlweise über DM 100,-, DM 500,- und DM 1000,- und mit dem schlimmen Vier-Buchstabenwort "Hete!" versehen. Ein solches Verfahren entlastet die Gerichte und wir haben auch schneller was von dem Geld. Und werīs nicht so nötig hat, kannīs ja dann dem Querverlag spenden. |
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