Wie denn nun ? |
Laienhafte Notizen zu einer psychologischen Frage
(Aus: Mimikry 16 (4) 13 (2001)) Die eine oder andere Bemerkung, die ich in letzter Zeit so aufgeschnappt habe, hat mich unversehens wieder an längst vergessene Jugendlektüre erinnert (sowie an vereinzelte, aber wirklich sehr vereinzelte Lesefrüchte in der Zwischenzeit). Damals, in der Oberstufe des Gymnasiums, war es einfach schick, Freud zu lesen - und so las ich mich natürlich auch quer durch die seinerzeit gerade frisch herauskommende Freud-Studienausgabe. Nicht genug damit: Ich fühlte mich durch die Lektüre animiert, auch Schriften anderer Psychoanalytiker sowie das eine oder andere Werk aus anderen psychologischen Schulen zu lesen. Das war wahrscheinlich gar nicht so gut, denn was ich darin über mich und meinesgleichen so alles lesen musste, war doch - gelinde gesagt - meist nicht gerade sehr aufbauend (und häufig auch recht seltsam). Dabei war in diesen Schriften meistens allerdings von Heteros die Rede, so dass ich sie ein bisschen wie Reiseführer in unbekannte exotische Gefühlswelten betrachtete. Als solche konnten sie ja auch ganz nützlich sein, war man doch schließlich überall im Leben von einer erdrückenden Übermacht solcher Heteros umzingelt. (Ganz abgesehen davon hatte ich damals ja auch noch nicht den Mut, die Sache richtigzustellen, wenn ich selbst von anderen irrtümlich als Hetero angesehen und dementsprechend angesprochen wurde.) Aber kommen wir zurück zu jenen Stellen, Absätzen oder auch ganzen Aufsätzen, in denen von unsereins die Rede war. Auch die waren ganz offensichtlich eben von Heteros für Heteros geschrieben. Deshalb beschäftigten sie sich auch leider überhaupt nicht mit Fragen, die für uns von Interesse wären, sondern vorherrschend mit solchen, auf die ich von mir aus nie gekommen wäre. Dabei scheint für die Heteros die bei weitem wichtigste Frage die zu sein, wie überhaupt die "homosexuelle Veranlagung" beim einzelnen Menschen "entsteht". Also, mal ehrlich: Ich bin ganz froh, dass ich ganz normal schwul bin, und habe mir über das Warum und Wieso nie irgendwelche Gedanken gemacht. (Ich glaube, die allermeisten Lesben und Schwule sehen das genauso - stimmtīs ?) Ich habe ja beispielsweise auch schwarze Haare und bin Rechtshänder, ohne darüber nachzugrübeln. Wäre ich ein blonder Linkshänder, wäre das sicher auch ganz o.K. Obwohl, in unserer Welt, in der die meisten Leute Rechtshänder sind und daher alle Dinge eher für Rechtshänder ausgelegt sind, ist es vielleicht ein bisschen praktischer, selber auch Rechtshänder zu sein. Dennoch fände ich es nicht weiter schlimm, wäre ich als Linkshänder zur Welt gekommen. Jedenfalls bei weitem nicht annähernd so schlimm, wie wenn ich als Hete durchīs Leben gehen müsste. Das liegt aber wohl einfach nur daran, dass ich mir das für mich einfach nicht vorstellen kann. (Wenn das auch tausendmal praktischer wäre in punkto Mehrheit, Bürgerrechte und so.) Wäre man(n/frau) so geboren und würde es halt nicht anders kennen, käme man(n/frau) wahrscheinlich auch selbst damit irgendwie klar, denke ich mir. Aber ich kannīs mir nun halt mal nicht vorstellen! Aber jetzt schweife ich ab, und dabei wollte ich doch über die für Heteros anscheinend wichtigste Frage reden, soweit es uns betrifft. Eben, weil ich, wie gesagt, neulich mal wieder etwas aufgeschnappt habe, was sich passend zur Erinnerung an frühere Lektüre fügt. Dabei hat sich mir diese Frage - wie eben schon gesagt - überhaupt erst durch die Lektüre gestellt. Das absolut Tolle dabei ist nun aber - und nun aufgepasst, Leute ! -, dass sich diese Frage zum Glück durch eben diese Lektüre auch gleich wieder geklärt hat! Jedenfalls für mich als Laien, wenn ich mir so die diversen "Fallbeschreibungen" ansehe, darf die Frage der Entstehung der Homosexualität wohl als durch die (heterosexuellen) Psychologen verschiedener Schulen abschliessend geklärt gelten. Demnach werden Kinder unausweichlich homosexuell, besonders die Jungs, aber wohl auch die Mädchen, wenn der Vater eine sehr starke, ausgeprägt dominante Persönlichkeit aufweist, die Mutter aber eher eine schwache, sich zurücknehmende Persönlichkeit ausgebildet hat. Genauso verhält es sich aber auch im genau entgegengesetzten Falle. Ohne jetzt Geschwister, Großeltern und womöglich noch weitere Personen des Umfelds ins Spiel zu bringen und die Sache damit noch weiter (unnötig) zu verkomplizieren, lässt sich (gemäß meiner Lektüre) wohl auch sagen, dass die Entwicklung der Kinder hin zur Homosexualität auch dann so gut wie unausweichlich ist, wenn beide Elternteile eine ausgeprägt schwache Persönlichkeitsstruktur besitzen, woran man das auch immer festmachen will. Auch hier gilt im genau umgekehrten Falle dasselbe. Ohne daher noch näher auf die Details einzugehen, lässt sich wohl zusammenfassend sagen, dass jede denkbare Familienstruktur im Hinblick auf die Persönlichkeitsstruktur der Eltern zwangsläufig dazu führt, dass die Kinder dieser Eltern homosexuell werden. Eine wirklich fundamentale Erkenntnis! Nur ist es ja in der Wissenschaft so, dass, wenn erst einmal eine Frage wirklich tiefgreifend geklärt ist, sich immer gleich wieder neue auftun - zum Glück, denn sonst käme das menschliche Erkenntnisstreben ja auch irgendwann einmal ans Ende und künftige Generationen hätten nichts mehr zu tun. So auch in diesem Falle: Wenn, wie es nun als abschließend geklärt gelten darf, jede denkbare familiäre Struktur quasi zwangsläufig zur homosexuellen Ausrichtung des Nachwuchses führt, erhebt sich doch die Frage, wieso es dann so relativ häufig zu jener Störung der individuellen psychischen Entwicklung kommt, die sich in der Ausbildung einer heterosexuellen Orientierung niederschlägt? Diese Frage, liebe LeserInnen, kann wohl derzeit kein Mensch auch nur ansatzweise beantworten. Aber, meine Lieben, ich bin zuversichtlich und denke, die Wissenschaft arbeitet daran. |
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